Vegane Kosmetik: Was bedeuten die verschiedenen Prüfsiegel?

Foto: soup studio // Fotolia

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Du möchtest, dass deine Pflege- und Kosmetikprodukte frei von Tierleid und tierischen Inhaltsstoffen sind? Hier bekommst du einen Überblick, was vegane Kosmetik bedeutet und welche Labels und Prüfsiegel dir beim Einkauf helfen.

Wann ist Kosmetik vegan?

Im Prinzip gibt es zwei simple Kriterien, die bestimmen, ob ein Kosmetikprodukt vegan oder nicht vegan ist.

  • Wurden zur Entwicklung oder Herstellung des Endproduktes oder einzelner Inhaltsstoffe Tierversuche durchgeführt?
  • Sind in dem Endprodukt tierische Inhaltsstoffe enthalten oder wurden tierische Produkte bei der Herstellung verwendet?

Eigentlich zwei simple Kriterien, die aber leider häufig am Endprodukt nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Begriffe wie Cera Alba oder Lanolin klingen zwar unverdächtig, aber dahinter verbergen sich tierische Inhaltsstoffe.

Blick auf die Inhaltsstoffliste reicht nicht aus

Der Blick auf die Inhaltsstoffliste reicht häufig nicht aus, um nicht vegane Inhaltsstoffe in Kosmetik zu erkennen. Chemische Formeln, lateinische Namen und Abkürzungen oder auch Inhaltsstoffe, die sowohl aus pflanzlichen als auch tierischen Quellen stammen können: selbst gut informierte Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen nicht alle tierischen Inhaltsstoffe sofort.

Außerdem müssen die Hersteller:innen, genauso wie bei Lebensmitteln, zur Verarbeitung eingesetzte Stoffe, die hinterher wieder entfernt werden, nicht auf der Inhaltsstoffliste angeben.

Obwohl die EU Tierversuche für Kosmetik bereits 2013 verboten hat, sind nicht alle Kosmetika automatisch tierversuchsfrei. Kosmetikhersteller dürfen weiterhin chemische Substanzen verwenden für deren Marktzulassung Tierversuche erfolgten. Auch das können wir am Produkt selber nicht ablesen, wenn es nicht mit einem Prüfsiegel lizenziert und gekennzeichnet ist.

Vegane Prüfsiegel für Kosmetik

Vegane Prüfsiegel ermöglichen dir eine sichere und bequeme Auswahl von Kosmetika ohne die Inhaltsstoffliste zu studieren oder beim Hersteller extra anfragen zu müssen.

V-Label

In Kosmetikprodukten, die mit dem V-Label „vegan“ lizenziert sind, dürfen keine tierischen Inhaltsstoffe verwendet werden. Auch die zur Verarbeitung eingesetzten Stoffe auf allen Prozess- und Verarbeitungsstufen dürfen nicht von Tieren stammen. Endprodukte und Inhaltsstoffe dürfen vom Produzenten oder in dessen Auftrag im In- oder Ausland nicht an Tieren getestet werden.

Veganblume oder "Vegan Trademark"

Für Kosmetikprodukte, die mit der Veganblume gekennzeichnet werden, dürfen bei der Herstellung und Entwicklung des Produkts und seiner Bestandteile keine tierischen Produkte, Nebenprodukte oder Derivate verwendet werden. Die Entwicklung und Herstellung des Produkts und seiner Inhaltsstoffe darf keine Tierversuche irgendwelcher Art beinhalten. Auch dürfen keine Tierversuche auf Initiative des Unternehmens durchgeführt worden sein.

Tierversuchsfreie Kosmetik: Diese Prüfzeichen helfen

Viele Produkte im Bereich Naturkosmetik sind vegan. Naturkosmetik ist dennoch nicht gleich vegan und umgekehrt. Kosmetikprodukte, die mit den folgenden Siegeln ausgezeichnet sind, wurden ohne Tierversuche entwickelt und produziert. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese auch vegan sind. Denn die Verwendung von tierischen Inhaltsstoffen wie Milch oder Honig ist hier erlaubt.

BDIH Prüfzeichen für kontrollierte Naturkosmetik

Die Anforderungen des BDIH beziehen sich auf die Gewinnung bzw. Erzeugung der Kosmetikrohstoffe sowie auf deren Verarbeitung.  Der Einsatz von Stoffen, die von Tieren produziert werden (z.B. Milch, Honig), ist gestattet. Der Einsatz von Rohstoffen aus toten Wirbeltieren (z.B. Emuöl, Nerzöl, Murmeltierfett, tierische Fette, Collagen und Frischzellen) ist nicht gestattet. Weder bei der Herstellung noch bei der Entwicklung oder Prüfung der Endprodukte dürfen Tierversuche durchgeführt oder in Auftrag gegeben werden. Paraffine und andere Erdölprodukte, synthetische Duftstoffe und Silikone sind nicht zugelassen.

NaTrue zeichnet Naturkosmetik aus

NaTrue ist eine internationale Naturkosmetikvertretung, die das Siegel in drei Kategorien vergibt: Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bio-Anteil und Biokosmetik. Tierversuche sind ausgeschlossen. Das EU Tierversuchsverbot für kosmetische Fertigprodukte erweitert NaTrue auch auf Drittländer außerhalb der EU. Naturstoffe tierischen Ursprungs sind unter Nachhaltigkeitskriterien erlaubt. Generell ausgenommen sind Inhaltsstoffe von toten Wirbeltieren.

Leaping Bunny

Das Qualitätssiegel des „springenden Hasen“ stellt die erste internationale Initiative für tierversuchsfreie Kosmetik dar. Es zeichnet Kosmetik- und Haushaltsprodukte aus, die ohne Tests an Tieren hergestellt werden. Sämtliche Formen von Tierversuchen, auch im Ausland, sind ausgeschlossen. Die Unternehmen verpflichten sich außerdem dazu, Dritthersteller und Lieferanten zu monitoren und ggf. Konformitätserklärungen einzuholen. 

Hase unter der schützenden Hand

Die Richtlinien für das Warenzeichen „Hase mit der schützenden Hand“ wurden vom Deutschen Tierschutzbund zusammen mit dem internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik e.V. (IHTK e.V.) entwickelt. Die dort aufgestellten Standards gehen über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus und berücksichtigen sowohl die Gewinnung und Erstellung der Inhaltsstoffe als auch des Endproduktes. Zertifizierte Hersteller müssen nachweislich auf Tierversuche verzichten und dürfen nur Inhaltsstoffe verwenden, die seit 1979 nicht im Tierversuch getestet wurden. Tabu sind auch tierische Inhaltsstoffe, für die Tiere eigens getötet oder gequält wurden. Ein zertifizierter Hersteller darf außerdem keiner Firmengruppe angehören, in der Tierversuche durchgeführt werden.

Foto: Karolina Grabowska // Pexels

Tierversuche? Nein danke!

Tierversuche sind grausam und wissenschaftlich ungenau – trotzdem stirbt alle drei Sekunden ein Tier in einem europäischen Versuchslabor. Die Argumente für und gegen Tierversuche, hat uns Dr. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche e.V. im VeggieWorld Podcast #57 und #58 erklärt.

Wo kann ich vegane und tierversuchsfreie Kosmetik kaufen?

Ob Zahncreme, Shampoo oder Make-up: es gibt mittlerweile für jeden Wunsch und jeden Geldbeutel ein wunderbares und tierleidfreies Produkt. Offline werdet ihr in Bioläden, Reformhäusern und im Drogeriemarkt fündig. Preiswerte Naturkosmetik findest du bei dm („Alverde“) und bei Rossmann („Alterra“). Achtet auf die oben genannten veganen Prüfsiegel. Bei den herstellereigenen Kennzeichnungen können die Kriterien von den Herstellern selber gemacht werden und sich von Firma zu Firma unterscheiden.

Vegane Kosmetik auf der VeggieWorld

Auch auf der VeggieWorld kannst du vegane Kosmetik entdecken. Der Vorteil: Du kannst dich ausführlich beraten lassen und das Produkt in der Regel vor dem Kauf testen. Viele Anbieter:innen bieten ihre Produkte auf der VeggieWorld zum Messe-Sonderpreis an. Gut zu wissen: Hersteller:innen, die auf der VeggieWorld Kosmetik verkaufen, müssen nicht zwingend eines der oben genannten Siegel nachweisen. Alle VeggieWorld Aussteller:innen versichern aber vor der Zulassung schriftlich, dass ihre Produkte vegan sind und unseren Zulassungsvoraussetzungen entsprechen.

Finde die VeggieWorld in deiner Nähe. Sieh dir die Ausstellerliste zum Standort vorab an, um zu sehen, welche Aussteller vor Ort sein werden. Du kannst in der Ausstellerliste außerdem nach Kosmetik filtern.

Mann, der vegane Kosmetik verkauft auf der VeggieWorld Brüssel
Foto: VeggieWorld // Bram Declercq

Vegane Kosmetik online kaufen

In der VeggieWorld Gesamt-Ausstellerliste findest du viele vegane Kosmetikhersteller, die ihre eigenen Onlineshops haben. Eine größere Auswahl mit verschiedenen veganen Kosmetikprodukten findest du z.B. im Avocadostore und bei Ecco Verde. Hier sind nicht alle Produkte vegan, aber du kannst nach vegan filtern.

Kosmetikzubehör ist nicht immer vegan

Auch Kosmetikzubehör ist nicht immer vegan. Haarbürsten können Wildschweinborsten enthalten und Schminkpinsel Echthaar oder Lederapplikationen oder -etuis. Das gleiche gilt für Rasierpinsel und Bartbürsten

Foto: Daria Minaeva // Fotolia

Quellen

*Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Werbung und Affiliatelinks. Was bedeutet das?

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